Schule früher und heute

Ein Beitrag von Jana und Lukas aus der Klasse 9a.

Wir haben im Deutschunterricht verschiedene Lehrpersonen und den Hauswart zum Thema „Schule früher und heute“ interviewt. Es gab viel Interessantes zu erfahren. Das Wichtigste haben wir hier kurz zusammengefasst.

Wie hat sich das Unterrichten verändert?


Früher war die Lehrperson auf dem Land quasi eine öffentliche Person. Es gab sogar einen Wohnzwang, die Lehrperson musste in der gleichen Gemeinde wohnen, in der sie unterrichtete. Heute sind die Lehrerinnen und Lehrer Coaches. Das heisst, die Lehrkräfte unterstützen die Schülerinnen und Schüler beim Lernen. Ab den 80-er Jahren wurde die Selbständigkeit der Schülerinnen und Schüler immer wichtiger. Gruppenarbeiten und Wochenpläne kamen auf. Früher gab es fast ausschliesslich Frontalunterricht und Einzelarbeit, heute ist es vielseitiger und abwechslungsreicher, aber auch anspruchsvoller für die Lernenden: zum Beispiel bei Partnerarbeit, Projektarbeit und selbstorganisiertem Lernen. Lehrerinnen und Lehrer müssen heute auch vermehrt mittel- und langfristig planen.

Wie haben sich die Schülerinnen und Schüler verändert?
Früher gab es viele Bauernkinder, die zu Hause mitarbeiten mussten. Der Sinn und die Bedeutung der Schule waren für sie anders. Die Schülerinnen und Schüler haben heute andere Erwartungen an die Lehrkräfte und sie denken, dass Lehrerinnen und Lehrer immer alles wissen müssten.

Wie hat man früher gearbeitet, als es noch keine PC’s und Drucker gab?
Mit der Schreibmaschine. Da konnte man Fehler nicht so einfach korrigieren. Weiter arbeitete man mit dem Epidiaskop und dem Hellraumprojektor, mit Dias, Matrizen und Folien. Und natürlich holte man sich Bücher aus der Bibliothek. Vorträge waren einfach sprachlich, ab und zu hat man ein Buch herumgereicht. Heute werden Vorträge oft mit Bildmaterialien unterstützt. Für viele ist es heute unvorstellbar, ohne den PC zu arbeiten. Wie sollte man einen Vortrag ohne Internet und Powerpoint vorbereiten?

Finden Sie es gut, dass man heute fast nur noch mit dem PC arbeitet?
Ja, PC’s sind praktisch und erleichtern das Arbeiten enorm. Vieles finden wir heute auf dem Intranet, zum Beispiel Newsletter und Protokolle. Und die Schülerinnen und Schüler arbeiten gerne mit PC‘s. Es ist aber nicht gut, wenn nur mit dem PC gearbeitet wird. Wichtig ist auch, dass die Schülerinnen und Schüler von Hand schreiben lernen. Der PC kann auch ablenken oder einen dazu verleiten, Texte aus Wikipedia mit copy & paste zu übernehmen, was dann natürlich sofort alle merken!

Waren die Regeln früher für die Lehrerinnen und Lehrer anders? (Umgang mit Schülerinnen und Schülern)?
Ja, es war eine andere Zeit, als noch Schlüsselbunde geworfen wurden... Nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer, auch die Eltern gingen früher anders um mit ihren Kindern. Die Kommunikation ist heute besser geworden. Weniger Autorität und ein respektvoller Umgang miteinander sind gut. Klare Regeln braucht es aber auch heute.

Wie läuft heute ein Arbeitsalltag einer Lehrperson ab?
Pünktlichkeit ist heute wichtiger als früher. Wenn man keinen Unterricht hat, nutzt man die Zeit zum Vorbereiten und Korrigieren. Heute wird mehr vor Ort im Schulhaus gearbeitet, früher ging man nach dem Unterricht einfach nach Hause. Üblich ist es heute, dass man sich nach dem Unterricht mit den anderen Lehrkräften austauscht und Probleme bespricht. Aber auch während den Ferien muss man den Unterricht vorbereiten. Neu ist, dass 12% der Jahresarbeitszeit Kollegiumsarbeitszeit ist und 3% Weiterbildung. Das heisst Lehrerkonferenzen, Lehrerkollegiumstage mit Weiterbildung und Unterrichtsentwicklung (aktuell z.B. Lehrplan21).

Wer sucht heutzutage die Lehrerinnen und Lehrer aus? Was hat sich gegenüber früher verändert?
Das ist immer noch gleich. Neue Lehrkräfte werden von der Schulkommission gewählt. Die Stellen werden heute im Internet ausgeschrieben, früher wurden sie in einer Broschüre publiziert. Für Stellvertretungen ist die Schulleitung zuständig. Dank dem Internet und einer App kann man heute innerhalb kürzester Zeit eine SOS-Stellvertretung organisieren.

Gab es früher auch schon Schulleiter?
Die Schulleitung hiess früher Schulvorsteher. Dieser kümmerte sich mehr um Organisatorisches. Die Schulleitung heute ist auch zuständig für die Weiterbildung und die Zusammenarbeit bei der Unterrichts- und Schulentwicklung. Es gibt Kollegiumsarbeitstage und das Motto heisst heute „Wir und unsere Schule“. Das ist neu. Heute ist es in Rapperswil üblich, dass es ein Skilager und eine Landschulwoche gibt.

War das immer so?
Skilager gibt es schon sehr lange. Und es gibt da eine berühmte Erzählung „Geschlafen wurde in einem Stall auf dem Gurnigel, auf den Wolldecken hatte es Eis…“. 1978 gab es die erste Landschulwoche mit Zelten im Jura. Sogar ein Buch gibt es davon. Nach wie vor ist es aber nicht obligatorisch, eine Landschulwoche oder eine Schulreise zu organisieren. Im Hinblick auf die Erlebnispädagogik sind aber heute solche Lager schon fast üblich. Unsere Gemeinde zahlt jeweils die Hälfte an Skilager, Landschulwochen und Exkursionen. Viele Schulen können dies auch aus Kostengründen nicht anbieten.

Heute gibt es genaue Vorgaben, was im Unterricht alles behandelt werden muss. War dies früher auch so?
Früher war der Lehrplan schlanker. Mit der Zeit wurden die Lehrpläne immer konkreter und umfassender. Die Zusammenarbeit, die Qualität und auch die vermehrten Kontrollen haben sich verbessert. Betreffend Gestaltung des 9. Schuljahrs hat man heute mehr Freiheiten. So haben wir z.B. Projektunterricht und BRK (Buchhaltung, Recht und Korrespondenz), das sehr geschätzt wird, eingeführt. Die Lehrmittel haben sich teilweise stark verändert. So zum Beispiel das Lehrmittel im Deutschunterricht, das aus Sicht der Lehrkräfte sehr gut ist. Seit langem gleich geblieben ist das Geschichtsbuch.

Und nun zum Schulhaus

Wie hat sich das Schulhaus in den letzten 25 Jahren verändert?
Beim Stellenantritt von Herrn Eggs, also vor 23 Jahren, gab es im ganzen Schulhaus vier Computer. Heute sind es 150. Anfangs betreuten Frau und Herr Eggs die ganze Schulanlage. Heute sind fünf Personen damit beschäftigt, Herr Eggs zu 100%, die anderen Teilzeit.

Wie oft wurde das Schulhaus seither umgebaut?
1990 Erweiterung des Primarschulhauses
1995/1996 Bau der Kombihalle
1996 Verkleinerung des Sportplatzes (Rasen) und Bau von Parkplätzen bei der Hauptstrasse
2006 Sanierung des Sportplatzes (Rasen, neuer roter Platz und 100-Meter-Tartanbahn)
2007 Bau des Biotops und des Spielplatzes
2008 Teerung des Pausenplatzes
2011/12 Aufstockung OSZ und Anbau Primarschule, bau von Gruppenräumen, auf dem Dach wurden Solarpanels angebracht.

Dank der Wärmedämmung und dem Einbau von neuen Fenstern konnte der Heizölverbrauch um 20‘000 Liter reduziert werden. Heute werden pro Winter noch 30‘000 Liter gebraucht. Anstelle der Deckenheizung wurden Radiatoren eingebaut. Zuletzt wurde die alte Turnhalle saniert.

Seit wann gibt es das Schulhaus überhaupt?
1956 wurde mit dem Bau begonnen, 1957 wurde es fertig gestellt. Die alte Turnhalle wurde ein Jahr später eingeweiht.
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Gab es früher auch schon einen Schulhaus-Abwart?
Ja, das gab es immer. Aber es gab in den 60 Jahren nur gerade zwei hauptamtliche Hauswarte! 36 Jahre lang betreuten Fritz und Frida Bangerter das Schulhaus. Seit 1993 sind Herr und Frau Eggs zuständig dafür.

Haben sich die Arbeiten verändert?
Die Arbeiten sind etwa gleich geblieben, nur haben wir heute bessere Hilfsmittel zur Verfügung. Maschinen helfen, grosse Flächen zeitsparend zu reinigen. Der Unterhalt nimmt zu, je grösser die Anlage wird. So haben wir beispielsweise über 1‘000 Beleuchtungskörper im Schulhaus. Da ist immer wieder etwas defekt. Heute haben die Hauswarte Zeitvorgaben. Für die gründliche Reinigung eines Schulzimmers stehen 16 Minuten zur Verfügung. Wenn die Schülerinnen und Schüler nicht mithelfen und die Stühle auf die Pulte stellen, wischen und aufräumen, ist dies gar nicht möglich. Neben dem Schulbetrieb finden zahlreiche Kurse und Anlässe statt, auch an den Wochenenden. Donnerstags und freitags gibt es den Mittagstisch. Auch der hat sich verändert: Früher kochte das Abwarts-Ehepaar Bangerter für 50 Rappen Wurst und Suppe.

Sind die Schülerinnen und Schüler Ihnen gegenüber immer freundlich und hilfsbereit?
Hat sich da etwas verändert gegenüber früher? Bitte ich Schülerinnen und Schüler um Hilfe, bekomme ich eigentlich nie ein Nein. Vielleicht liegt dies auch ein bisschen am bekannten feinen Znüni… Ich habe eine sehr gute Meinung von unseren Schülerinnen und Schülern. Bei 330 Kindern und Jugendlichen gibt es immer wieder kleinere und grössere Beschädigungen. Ich habe einen dicken Ordner mit Fotos davon. Was sicher nachgelassen hat gegenüber früher, ist der Respekt und der Anstand gegenüber Lehrpersonen und Hauswarten.

Wir danken allen, die sich für die Interviews zur Verfügung gestellt haben. Es sind dies für die Schulleitung Frau Hüppi, die Lehrkräfte Frau Egger und Herr Siegenthaler sowie der Abwart Herr Eggs. Dank geht auch an Herrn Tschanz (Schulleitung) für die Zusammenstellung der Fotos.